Reporting 1. Quartal 2020

Rückblick:
Und plötzlich sieht die Welt anders aus… Was für westliche Länder vor drei Monaten noch weit weg und unvorstellbar war, hat nun praktisch die ganze Welt eingeholt und fest im Griff. Politische Machtspiele der globalen Giganten rückten von einem Tag auf den anderen in den Hintergrund und die Weltwirtschaft wurde praktisch über Nacht zum Erlahmen gebracht. Als Folge korrigierten praktisch sämtliche Anlageklassen.

Nach den Höchstständen im Februar 2020 büssten viele der führenden Aktienindices zwischen 35-45% ein; einige Aktienwerte verloren weit mehr als die Hälfte ihres bisherigen Wertes. Durch die globalen, milliardenschweren Hilfsprogramme konnte der Tiefpunkt in der zweiten Märzhälfte mit markanten Anstiegen hinter sich gelassen werden.

Eine ähnliche Kursentwicklung verzeichneten auch festverzinsliche Werte. Anleihen mit tieferen Ratings und längeren Laufzeiten wurden teilweise blind ausverkauft und büssten aktienähnlich an Wert ein. Auch hier konnten die monetären Interventionen eine Gegenbewegung erzielen.

Die Nachfrage nach Schweizer Franken war einmal mehr ungebremst und so verteuerte sich der CHF seit Jahresbeginn gegenüber den EUR und den USD mit je rund 2-3%. Der USD konnte gegen EUR rund 1% zulegen.

Gold legte im Berichtsquartal als eines der einzigen Vermögenswerte rund 7% zu, alle übrigen Metalle wie z.B. Silber und Platin büssten weit über 20% an Wert ein. Öl verlor rund 2/3 an Wert und notiert bei rund USD 20 pro Fass.

Ausblick:
Vor drei Monaten fragten wir an dieser Stelle «wie hoch können Aktienkurse steigen?». Heute stellen sich zwei primäre Fragen: Wie weit können Aktienmärkte noch fallen und wie ausgeprägt wird die Gegenbewegung sein?

Historisch gesehen enden Aktiencrashes mit höchster Wahrscheinlichkeit nach Rückschlägen zwischen 35-45%. Diesen Wert hatten wir bei vielen Indices im März bereits gesehen, bevor mittels Hilfspaketen eine markante Gegenbewegung bewirkt wurde. Ebenfalls stiegen Aktien nach ausgeprägten Rückschlägen meistens in kurzer Zeit wieder markant an.

Wird das bei dieser Krise auch so sein? Aus heutiger Betrachtung kann wohl kaum jemand den weiteren Verlauf dieser Pandemie global vorhersagen und als Folge ist auch die Intensität und die Dauer der erwarteten Rezession noch nicht prophezeibar. Sollte der Verlauf der Pandemie mit den bekannten Einschränkungen mit einer Dauer von rund zwei Monaten erfolgreich gedämpft werden, dürften auch die monetären Hilfspakete genügend greifen, um einen weltwirtschaftlichen Zusammenbruch zu vermeiden. Sollte aber längerfristige und noch umfangreichere wirtschaftliche Einschränken wie z.B. in Italien nötig werden oder China von einer zweiten Corona-Welle betroffen sein, wäre dies nicht nur für die humanitäre und wirtschaftliche Situation fatal, sondern würde wohl auch die Börsen auf erneute Talfahrt schicken.

Als Folge bleiben wir bei Aktien weiter stark unterinvestiert, favorisieren internationale Blue Chips und halten genügend Cash, um bei einem besser einschätzbaren Umfeld vorsichtig und selektiv Zukäufe zu tätigen.

Auch im festverzinslichen Bereich heisst es weiter achtsam zu sein. Je nach wirtschaftlichem Verlauf können sich sehr gute Einstiegschancen für höher verzinsliche Anleihen ergeben oder im Ge-genteil auch dazu führen, zwischenzeitlich die Gelder vermehrt in Staatspapieren z.B. der USA zu parken.

In Krisenzeiten sind «sichere Währungen» wie der CHF gesucht und so dürfte der CHF gegenüber dem EUR und auch dem USD weiter stark notieren. Schwierig einschätzbar sind hier die Pläne und Interventionen der Zentralbanken.

Gold scheint analog der Kreditkrise im 2008 charttechnisch an Grenzen zu stossen. Industriemetalle sind weiter eher unter Druck und Ölpreis wird wohl auch kurzfristig Inhalt eines politischen Machtkampfes sein. Wir bleiben auch bei der alternativen Anlageklasse vorderhand eher vorsichtig.