Reporting 2. Quartal 2020

Rückblick:

Entkoppelung von Wirtschaft und Märkten, so könnte man das zweite Quartal übertiteln. Zwar wurden laufend die persönlichen Einschränkungen in den europäischen Ländern gelockert und die Covid19-Zahlen sind relativ tief, doch bleibt die Ungewissheit, wie es weltweit mit den Einschränkungen, den Staatsverschuldungen, dem Wirtschaftswachstum und den Arbeitslosenzahlen weitergeht. Die Hoffnung, dass global die Zentralbanken und die Politik weiter für einen grosszügigen Geldsegen sorgen, hat in vielen Anlageklassen für eine ausgeprägte Kurserholung gesorgt.

Einmal mehr haben die Rückschläge bei den Aktienkursen bei 35-45% gegenüber den Höchstständen geendet. Die Erholung war schneller und ausgeprägter als erwartet. Vor allem Technologie- und Goldminenaktien haben im zweiten Quartal stark performt.

 

Auch Anleihen mit minderer Qualität erholten sich zusehends, meist durch Stützkäufe der Zentralbanken. Durch das Bekenntnis der Zentralbanken zum Aufkauf von «leidenden Papieren» ist die Risikotoleranz vieler Anleger gestiegen.

 

Nach einer zwischenzeitlichen Schwächephase des CHF gegenüber USD und gegenüber EUR hat in den letzten Tagen die helvetische Währung wieder an Stärke gewonnen. Bedingt durch die hohen Covid19-Zahlen und die Wahlunsicherheit hat der USD auch gegenüber dem EUR an Wert eingebüsst.

 

Gold notierte länger auf stabilem Niveau und hat jüngst im Soge der wirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten weiter an Wert zugelegt. Beim Tageskurs für Öl wurden Mitte April historische Negativkurse bezahlt, welche sich aber in Kürze wieder dem Terminkurs angeglichen haben.

Ausblick:

Wie lange werden sich Börsenkurse von der gefühlten, der erwarteten und der gemessenen Wirtschaftslage abkoppeln? Wird eine zweite Covid19-Welle weitere Teile der Wirtschaft lahmlegen? Vermögen die bisherigen und die künftigen Interventionen der Politik und der Zentralbanken die steigende Arbeitslosigkeit und die damit schwindende Investitions- und Ausgabefreudigkeit zu kompensieren?

 

Den genauen Verlauf der Pandemie ist analog vor drei Monaten nicht vorhersehbar. Jedoch wird US-Präsident Trump alles Geld locker machen, um «seine Wirtschaft» für die Wahlen in einem guten Licht zu präsentieren. Auch darf auf die Bereitschaft der Notenbanker, weiter Geld zu drucken, gezählt werden. Die langfristigen Folgen aller Massnahmen und vor allem die Reduktion der wohl zum Schluss verdoppelten Staatsverschuldungen, kennen wir noch nicht. Sicher scheint, dass sich Investoren über kürzere oder längere Zeit gegen inflationäre Tendenzen schützen müssen.

 

Was heisst dies für Anleger? Langfristig führt kein Weg an Aktien, Real Estate und je nach Situation auch Metallen vorbei. Die Qualität der Aktie wird genau so entscheidend sein, wie kurzfristige Rückschläge möglichst abzuwehren und gezielt für Zukäufe zu nutzen.

 

Nach der Ausverkaufsstimmung der Anleihen mit niedrigerer Bonität im ersten Quartal, haben sich die Risiko-/Ertragschancen wieder verbessert. Auch hier gilt es den richtigen Einstieg für den Auf- und Ausbau gezielt zu wählen, denn auch im festverzinslichen Bereich werden kurz- bis mittelfristige Rückschläge an der Tagesordnung sein.

 

Aus der Coronakrise in die Rezession über zur Inflation. Alles deutet auch im Währungsbereich auf Unsicherheiten und Veränderungen hin. Zwar sind die Interventionen der Zentralbanken auch hier für die Kursentwicklungen von höchster Bedeutung, doch werden ohne Reformen (z.B. Schuldenreform in der EU) wohl in der Tendenz die krisenresistenten Währungen wie z.B. der CHF gesucht sein.

 

Bei alternativen Anlagen dürfte Gold weiter beständig sein. Wie hoch das weitere Potential ist und ob ein Rückschlag wahrscheinlich wird, hängt primär von den weiteren Massnahmen der Zentralbanken ab. Ähnliche Abhängigkeiten hat auch der Ölkurs, wobei hier politische Machtspiele den Kursverlauf bestimmen. Für Anlagen im Immobilienbereich empfehlen wir je nach Umfang Direktinvestitionen oder ausgesuchte, börsengehandelte Immobiliengesellschaften.